Gedichte über Jahreszeiten

Die Eiche

 

Gewaltig trotzt sie den Unbillen,

ohne Jammern, ohne Leiden,

mit einem eignen festen Willen,

zeigt sie die Stirn den Jahreszeiten.

 

Sie gewinnt auch jede Schlacht,

gegen Sturmes Urgewalt,

ächzend zeigt sie ihre Macht,

ist sie auch hundert Jahre alt.

 

Auch Sommers Hitze sie bezwingt,

mit ihrer Krone breit und dicht,

                    in dessen Schatten mancher singt,                    

ein Wanderlied im kühlen Licht.

 

Im Herbst da leuchtet sie gewaltig,

zeigt ganz stolz ihr altes Kleid,

in goldnen Farben mannigfaltig,

ist für den Winter nun bereit.

 

Hat der Wind ihr Kleid zerzaust,

kahl und leer die knorrig’ Äste,

und klirrend Kälte um sie haust,

strahlt sie hell in weißer Weste.

 

Meldet sich der Frühling scheu,

vom Winterschlaf sie sanft erwacht,

bekleidet sich nun wieder neu,

mit sattem Grün fast über Nacht.


 

So lebt sie Jahr für Jahr, die Eiche,

zeigt sich mächtig, stolz und schön,

steht fest verwurzelt, doch ganz weiche,

wiegen Blätter sich im Föhn.

 

So wie der Eiche Herbstes Farben,

auch Menschenalter Schönheit malt,

bringt das Leben auch manche Narben,

im Herzen sind wir niemals alt.

 

nowi 

November

 

Der Herbst verliert an Farbenpracht,

die Blätter fallen welk und rostig,

immer länger ruht die Nacht,

und die Luft wird kühl und frostig.

 

Ein Spinnennetz im Gegenlicht,

des vollen Mondes mattem Schein,

der sich durch kahle Zweige bricht,

fürs Auge kann nichts schöner sein.

 

Nebelschwaden überziehen

Wälder, Wiesen, feuchte Auen,

Wind getrieb'ne Wolken fliehen,

gefror'ner Tau im Morgengrauen.

 

Geborg'ne Ruh' liegt überm See,

der wie ein großer Spiegel glatt,

Berge weiß vom ersten Schnee,

als Kunstwerk still gezaubert hat.

 

Die Sonne hat nun ihre Not,

genügend Wärme auszustrahlen,

doch mit einem Morgenrot,

kann auch sie ein Bild schön malen.

 

Diese Bilder schnell vergehen,

wenn ein Sturm den See aufwühlt,

vor der Sonne Wolken stehen,

der Herbst sich als Verlierer fühlt.

 

Die Natur kann damit leben,

der Winter wartet startbereit,

um ein weißes Kleid zu weben,

so ist nun mal der Lauf der Zeit.

 

nowi

 

Ein Jahr vergeht

 

Ein glühend’ Abendrot versinkt,

der Mond nur fahles Licht uns bringt,

die Menschen schlafen tief und fest,

die Vögel auch in ihrem Nest.

 

Doch steigt das Morgenrot dann auf,

beginnt ein neuer Tageslauf.

Vögel zwitschern, Menschen eilen,

manche noch im Schlaf verweilen.

 

Was bringt der neue Tag uns nur,

Leid und Sorgen, Freude pur?

Man weiß es nicht, und das ist gut,

so schöpfen wir stets neuen Mut.

 

Und wenn der Frühling dann erwacht,

erfreut uns eine Blütenpracht,

Lerchen hoch am Himmel singen,

was wird der Sommer uns nun bringen?

 

Blitz und Donner, viel Sonnenschein?

In lauer Nacht ein Gläschen Wein,

in schöner innig Zweisamkeit?

Doch bald kommt schon des Herbstes Zeit.

 

Golden leuchten nun die Wälder,

kahl und leer die Stoppelfelder,

Nebelschwaden im November,

die stade Zeit folgt im Dezember.

 

Weiße Flocken lautlos fallen,

Weihnachtslieder nun erschallen,

im Herzen sind wir schon bereit,

für eine schöne Winterzeit.

 

Ein Jahr sich schnell zu Ende neigte,

das Freud und Leid uns wieder zeigte.

Und wie es doch schon immer war,

wir freuen uns aufs neue Jahr!

 

nowi

Gedichte zur Adventszeit

Auf dem Weihnachtsmarkt

 

Türkisch' Honig, Pistazienkerne,

Mandelsplitter, Weihnachtssterne,

Mon Chèri und Kokosnüsse,

Schokoplätzchen, Negerküsse,

Lametta silbern, Engelshaar,

fröhlich' Menschen, Liebespaar.

 

Harfentöne, Glockenklang,

Lichterketten, Chorgesang,

Zuckerwatte, Marzipan,

Jesuskind und Weihnachtsmann,

Glühwein heiß und Früchtepunsch,

manch so stiller Weihnachtswunsch.

 

Gedränge an der Bratwurstbude,

Schaschlikspiese, Ruprechts Rute,

Rumkugeln und Magenbrot,

manche Nase leuchtend rot,

Weihnachtslieder, Krippenspiel,

Karussell der Kinder Ziel.

 

Zuckerwatte, Mandarinen,

Mangofrüchte, Apfelsinen,

Dresdner Stollen, Mohnstriezel,

Kerzen brennen, fackeln hell,

Vanilleeis mit Zimt bestreut,

dies alles unser Herz erfreut.

 

In dieser Zeit voll Überfluss,

denken wir oft mit Verdruss,

ob es nicht viel mehr sein kann,

so wie beim Nachbarn nebenan,

der kann sich einfach alles leisten,

doch Schuster, bleib bei deinen Leisten.

 

Denk auch an die, die wenig haben,

sich schon erfreu'n an kleinen Gaben,

denkt an die Kinder in einer Welt,

in der nur's Überleben zählt  -,

dann herrscht in euch Zufriedenheit,

in dieser schönen staden Zeit.

 

nowi


Kyrie eleis


Stolz ragen Gipfel in blassem Weiß

zum nachtblauen Himmel empor,

aus der Ferne dringt feierlich leis,

weihnachtliche Botschaft im Chor.

 

Die schneebedeckten Tannenzweige

 ein matter, flackernder Schein durchdringt,

und zu den Tönen einer Geige,

ein wunderschönes Lied erklingt.

 

Ein innig’ Gefühl in mir erwacht,

zwischen zwei Gipfeln blickt hervor,

der Mond, erhellet fahl die Nacht,

ich bin ergriffen wie niemals zuvor.

 

Sanft getragen vom kühlenden Wind,

erfüllen die Klänge den Wald,

und ich folge ihnen fast blind,

das Lied immer klarer erschallt.

 

Auf einer Lichtung am kleinen See,

eine Hütte, verwittert das Holz,

was ich mit staunenden Augen seh’

macht meine Seele glücklich und stolz.

 

Fensterblumen kristallen aus Eis,

ein Christbaum mit flackerndem Lichte,

und Kinderstimmen singen die Weis’,

des Christkindl's fröhlich' Geschichte.

 

Gefrorer See im Dunste der Nacht,

zur Melodie die Bäume sanft rauschen,

im glitzernden Eis der Mond leuchtet sacht,

und meine Sinne andächtig lauschen.

 

Ich hör das Lied gebannt wie im Traum,

seh’ leuchtend rote Kinderwangen,

strahlende Augen betrachten den Baum,

ihr Kyrie eleis hält mich gefangen.

 

nowi

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Dieses Kinderbuch ist

sehr zu empfehlen: siehe

unter "Norberts Lesewelt"

Burg Drachenkopf

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